Atlanta Skyline - Jackson Street Bridge

Niemand hat mir gesagt: Du brauchst den CPA. Es gab kein Meeting, kein Gespräch, keinen Moment der alles verändert hat. Es war einfach irgendwann klar.

Wie es dazu kam

Irgendwann wird das Spektrum breiter. Man startet in einem Bereich — bei mir war es International Tax, US-Staatsbürger mit signifikanten Beteiligungen außerhalb der USA und hohen Anforderungen an das Reporting gegenüber dem IRS — und baut die technischen Lösungen, mit denen Steuerberater diese Mandate bearbeiten. Das funktioniert. Das ist gut. Und dann kommen Transfer Pricing, Sales Tax, R&D Credits dazu. Nationale Steuererklärungen für Individuen und Unternehmen. Die Themen werden vielfältiger, die Mandanten diverser, die Anforderungen komplexer.

Irgendwann reicht es nicht mehr, Anforderungen entgegenzunehmen und umzusetzen. Man versteht die Systeme, man versteht die Prozesse, man versteht die Mandanten — und dann will man mitgestalten. Nicht nur das Wie, sondern auch das Was. Nicht nur die technische Lösung, sondern die Struktur dahinter.

Und irgendwann stellt man fest: Um in den USA im Steuerbereich nicht nur mitzureden sondern mitzugestalten, ist der CPA keine Option. Er ist Voraussetzung.

So war das bei mir. Keine Erleuchtung. Einfach die natürliche Konsequenz von sechs Jahren Entwicklung.

Was der CPA ist

Der Certified Public Accountant ist die zentrale Berufsqualifikation im US-amerikanischen Finanz- und Steuerbereich. Im deutschen Kontext gibt es kein direktes Äquivalent, weil der CPA zwei Berufsbilder vereint die in Deutschland getrennt sind: Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Ein CPA darf Steuererklärungen erstellen und Mandanten vor dem IRS vertreten, aber ebenso Jahresabschlüsse prüfen und testieren — in Deutschland bräuchte man dafür zwei Berufsexamina.

Was den CPA für Europäer zusätzlich ungewohnt macht: Die Zulassung ist nicht bundeseinheitlich geregelt, sondern Sache der einzelnen Bundesstaaten. Jeder State hat eigene Anforderungen an Ausbildung, Prüfungen und Berufserfahrung. Was in Georgia gilt, muss in New York nicht gelten.

Warum Georgia

Georgia, weil dort mein Team sitzt. Ich arbeite regelmäßig in Atlanta, und langfristig wird das mein beruflicher Schwerpunkt in den USA sein. Die Zulassungsvoraussetzungen erfordern einen Bachelorabschluss und mindestens 30 Credit Hours in Accounting-Fächern. Mein Bachelor in Wirtschaftsinformatik von der TU Ilmenau erfüllt die erste Voraussetzung — die zweite allerdings nicht, und genau da beginnt der eigentliche Weg.

Wo ich stehe

Die Evaluierung meiner deutschen Studienleistungen läuft bereits. Die NASBA — die amerikanische Organisation, die für die Zulassung zu Berufsexamina im Accounting-Bereich zuständig ist — bewertet meine deutschen Transcripts und entscheidet, wie viele davon in den USA anerkannt werden. Das Ergebnis steht noch aus, aber meine eigene Analyse zeigt: Es werden voraussichtlich rund 22 Credit Hours in Accounting fehlen.

Konkret bedeutet das etwa acht Kurse, die ich über ein sogenanntes Bridge Program nachholen muss. Ich habe mich für die University of North Alabama entschieden, eine AACSB-akkreditierte Universität mit einem Online-Programm das genau auf internationale Kandidaten mit Credit Gaps zugeschnitten ist. Die Kurse sind einzeln buchbar und lassen sich in meinem eigenen Tempo absolvieren.

Der Plan

Der Weg lässt sich in fünf Schritte zusammenfassen: Zuerst die NASBA-Evaluierung abschließen und die offizielle Credit Evaluation erhalten. Dann die fehlenden Credit Hours über das Bridge Program an der UNA nachholen. Parallel dazu beginne ich mit einem CPA-Vorbereitungskurs, der mich auf die vier Modulprüfungen des Examens vorbereitet. Die Prüfungen selbst werde ich entweder in Atlanta oder in einem Prometric-Testcenter in Europa ablegen. Am Ende steht die Zulassung.

Zeitrahmen: 12 bis 18 Monate. Das ist realistisch, nicht optimistisch. Das Bridge Program allein braucht seine Zeit, und die CPA-Prüfungen haben Durchfallquoten die man ernst nehmen sollte.

Was kommt

Ich bin Wirtschaftsinformatiker, kein Buchhalter. Mein Weg zum CPA führt über eine deutsche Universität, sechs Jahre Erfahrung in internationalem Steuerrecht mit hochkomplexen Mandanten, eine internationale Credit-Evaluierung, ein amerikanisches Bridge Program und Prüfungen die für Absolventen amerikanischer Accounting-Programme konzipiert sind. Der klassische Weg sieht anders aus. Aber wann war bei mir schon irgendwas klassisch.

Ich werde den Fortschritt hier dokumentieren. Welche Kurse ich belege, wie die Prüfungsvorbereitung läuft, wo es hakt und was funktioniert.

Nächster Schritt: Erste Kurse an der UNA buchen. Sobald es was zu berichten gibt, gibt es einen neuen Artikel.