Meine Mutter ist familienversichert. Über meinen Vater, beitragsfrei, seit Jahrzehnten. Wenn die Familienversicherung für Ehepartner abgeschafft wird, wird es für meine Eltern spürbar teurer. Und ich bin trotzdem dafür.
Das klingt nach einem Widerspruch. Ist es aber nicht — und genau deshalb gibt es diesen Rechner.
Warum ich das gemacht habe
Die Debatte um die Familienversicherung ist gerade überall. Die Finanzkommission Gesundheit legt Ende März ihre Empfehlungen vor, das GKV-Defizit ab 2027 wird auf zweistellige Milliardenbeträge geschätzt, und die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern steht auf dem Prüfstand. Drei Milliarden Euro Einsparung, sagen die Befürworter. Soziale Kälte, sagen die Gegner. Und niemand rechnet nach.
Das hat mich genervt. Nicht weil die Debatte falsch ist, sondern weil sie unvollständig geführt wird. Wer nur über die Mehrbelastung redet, verschweigt die mögliche Entlastung für alle anderen. Wer nur über die Einsparung redet, verschweigt was es den einzelnen Haushalt kostet. Und wer nur über die Abschaffung redet, ignoriert dass es zwischen Status Quo und Komplettabschaffung ein ganzes Spektrum an Möglichkeiten gibt.
Also habe ich einen Rechner entwickelt, der alle Seiten zeigt.
Was der Rechner kann
Der GKV-Reform-Rechner bildet vier Szenarien ab:
Den Status Quo — Familienversicherung wie bisher, mit der aktuellen Zuverdienstgrenze von 565€ im Monat. Eine abgesenkte Zuverdienstgrenze — der Slider lässt sich stufenlos einstellen, von der aktuellen Grenze bis auf null. Die komplette Abschaffung — jeder Ehepartner zahlt mindestens den Mindestbeitrag. Und ein Splitting-Modell, bei dem das Einkommen des Hauptverdieners hälftig auf beide Partner aufgeteilt wird und beide Beiträge auf dieser Basis zahlen.
Zusätzlich lässt sich die Beitragsbemessungsgrenze verschieben — bis hin zur kompletten Abschaffung. Weil auch das in der Debatte diskutiert wird und beides zusammengehört.
Für jedes Szenario zeigt der Rechner zwei Dinge: Was es den einzelnen Haushalt kostet, und was es der GKV insgesamt bringt. Und — das ist der wichtigste Teil — um wie viel der Beitrag für alle anderen sinken könnte, wenn die Mehreinnahmen zur Beitragssenkung verwendet werden.
Was der Rechner nicht kann
Die Fiskalschätzung basiert auf der allgemeinen Einkommensverteilung aller Beschäftigten als Proxy. Eine spezifische Einkommensverteilung für familienversicherte Ehepartner und deren Hauptverdiener gibt Destatis so nicht her. Das bedeutet: Die Hochrechnung ist eine Annäherung, keine Prognose. Statisches Scoring, keine Verhaltenseffekte, ±10-20% Abweichung möglich.
Das sind die gleichen bewussten Einschränkungen wie beim Steuertarif-Simulator. Ein Rechner der alles kann, kann nichts gut. Dieser hier macht die Debatte greifbar — nicht mehr und nicht weniger.
Warum ich für die Abschaffung bin — und trotzdem diesen Rechner neutral gestaltet habe
Ich bin der Meinung, dass die beitragsfreie Mitversicherung von erwerbsfähigen Ehepartnern nicht mehr zeitgemäß ist. Sie setzt falsche Erwerbsanreize, sie belastet die Solidargemeinschaft, und sie subventioniert ein Familienmodell das nicht mehr der Lebensrealität der Mehrheit entspricht. Ausnahmen für Kindererziehung und Pflege sind richtig und notwendig — aber die pauschale Beitragsfreiheit für alle Ehepartner ist schwer zu rechtfertigen.
Das ist meine politische Meinung. Kein Fakt. Der Rechner liefert die Fakten, die Einordnung ist Sache des Nutzers. Und ja — meine Eltern werden mich anrufen.
Open Source
Der komplette Quellcode liegt auf GitHub. Jede Formel, jeder Beitragssatz, jede Quelle ist einsehbar und nachprüfbar. Wer einen Fehler findet oder eine Verbesserung hat: gerne.
